Das deutsche Handwerk in Gefahr? Eine Bestandsaufnahme

tl_files/files/dienstleistung-handwerk/content/dienstleistungen-handwerk-bestandsaufnahmehandwerk.jpgTapezieren, Möbel renovieren oder Fliesen legen - die DIY-Bewegung boomt. Braucht man also den professionellen Handwerker überhaupt noch? Immer weniger Jugendliche wollen einen handwerklichen Beruf erlernen, auch im öffentlichen Bild kommen die Berufsbilder Bäcker und Co. denkbar schlecht weg. Das deutsche Handwerk steckt in der Krise. Eine breit angelegte Imagekampagne soll dies ändern.

Fachkräftemangel setzt sich fort

Nach Angaben des Zentralverbandes Deutsches Handwerk (ZDH) sind derzeit über eine Million Betriebe in die Handwerksrollen eingetragen, mehr als 5 Millionen Menschen arbeiten in Handwerksbetrieben, das sind 12,5 Prozent aller Erwerbstätigen. Und doch bleiben immer mehr Lehrstellen unbesetzt. Bereits jetzt fehlen Spezialisten in den Bereichen Energietechnik, Klempnerei und Sanitär, die Wettbewerbsfähigkeit ist in Gefahr. Doch nur wenige Absolventen mit einem Realschulabschluss oder Abitur entscheiden sich für eine Ausbildung im Handwerk. Die es doch tun, sind nicht motiviert, verfügen über eine schlechte Allgemeinbildung und sind überhaupt ungeeignet. Um dennoch Lehrstellen besetzen zu können, verfolgen die Handwerksverbände verschiedene Lösungsansätze. In Berlin und Brandenburg etwa sollen Gesellen mehr Geld bekommen, Schülerpraktika und Übernahmegarantien sollen außerdem Schulabsolventen in die Betriebe locken. Der neueste Vorschlag: Studienabbrecher sollen eine Ausbildung im Handwerk machen.

Handwerk hat mit schlechtem Image zu kämpfen

Eine Forsa-Umfrage im Jahr 2008 zeigte: Jugendliche sehen Handwerksberufe als unmodern an, auch die Bedeutung dieser Berufe sei eher gering einzuschätzen. Kriterien wie Weiterbildungsmöglichkeiten, Karrierechancen und Selbstverwirklichung könnten mit einer Ausbildung im Handwerk nur schlecht realisiert werden. Um dieses schlechte Image in der Bevölkerung zu ändern, läuft seit Januar 2010 eine Imagekampagne, die 50 Millionen teure Aktion soll zeigen, dass Bäcker, Friseur oder Optiker erstrebenswerte Berufe mit Aufstiegschancen sind. TV-Werbung, Printanzeigen und der Slogan "Das Handwerk. Die Wirtschaftsmacht von nebenan" zeigen bereits erste Erfolge, eine 2012 durchgeführte Umfrage enthüllt, dass der Arbeitgeber Handwerk zwar nach wie vor unattraktiv ist, die Zukunftschancen in Handwerksberufen von Jugendlichen aber etwas besser eingeschätzt werden.

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